Pflege: Leiharbeit boomt – das stellt Träger vor enorme Probleme

Der Fachkräftemangel in Pflegeheimen und Kliniken ist seit eh und je bekannt, wobei eine Verbesserung der Situation derzeit nicht in Sicht ist. Gerade in diesen Tagen sind Pflegekräfte gefragter denn je! Eines der größten Probleme in der Branche ist, dass sich immer mehr Pflegekräfte gegen eine Festanstellung und stattdessen für das immer beliebter werdende Arbeitsmodell „Zeitarbeit“ entscheiden. Die meisten Fachkräfte bekommen mehr Geld und haben weniger Verpflichtungen, wenn sie bei einer Leiharbeitsfirma tätig sind. Für die Träger der Einrichtungen sorgt das jedoch auf mehreren Ebenen für Probleme.

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Foto: Elnur/stock.adobe.com

Warum viele Pflegekräfte in die Leiharbeit wechseln

Der Fachkräftemangel ist ein Grund dafür, weshalb die Leiharbeit boomt. Im Gegensatz zu festangestellten Mitarbeitern genießen Leiharbeitskräfte viele Vorteile, weshalb der Wechsel in die Zeitarbeit verlockend ist. Da Pflegefachkräfte zudem mehr als gefragt sind, gelingt dieser Wechsel in vielen Fällen auch problemlos. Schließlich bleibt den Kliniken in der aktuellen Situation nichts anderes übrig, als möglichst viele Mitarbeiter einzustellen, um den Bedarf an Pflegekräften ausreichend zu decken. Ansonsten kann die Versorgung der Patienten in Krankenhäusern und der Bewohner in Pflegeeinrichtungen nicht sichergestellt werden.

pflege leiharbeit

Mittlerweile hat sich die Situation so sehr zugespitzt, dass der Bedarf in vielen Einrichtungen selbst mit Leiharbeitskräften nicht mehr gedeckt werden kann. Dies liegt auch daran, dass immer mehr Pflegekräfte ihren Job wechseln, in Teilzeit arbeiten oder über einen längeren Zeitraum krankgeschrieben sind. Die Ursache dafür liegt dabei meistens in der stressbedingten Arbeitssituation und den steigenden Herausforderungen, denen nicht alle Mitarbeiter gewachsenen sind.

Die Einrichtungen müssen somit auf Leiharbeitskräfte zurückgreifen, was nicht selten zu Spannungen in den Teams führt. Leiharbeitskräfte erhalten meistens mehr Lohn und dürfen sich ihre Schichten häufig aussuchen – ein Privileg, das Festangestellte nicht haben. Deshalb ist es kaum verwunderlich, dass auch das Arbeitsklima unter der Situation leidet. Den Fachkräftemangel mithilfe von Leiharbeitern auszugleichen ist für viele deshalb das letzte Mittel der Wahl. In manchen Einrichtungen ist es sogar so, dass der Lohn fast beim Doppelten liegt, obwohl sich die Arbeitskräfte hinsichtlich ihrer Leistung und Kompetenz nicht unterscheiden. Dass sich diese Tatsache negativ auf die Gemüter auswirkt, ist kaum verwunderlich.

Es ist seit eh und je bekannt, dass im Gesundheitswesen nicht alles optimal verläuft. Derzeit wechseln auffällig viele Pflegekräfte in eine Zeitarbeitsfirma, weil sie dort bessere Arbeitsbedingungen haben. Viele Pflegekräfte geben an, dass sie bei einer Zeitarbeitsfirma ihre Arbeitszeiten besser planen können

Zeitarbeit in der Pflege

Probleme des Pflegesektors zeigt sich in „Leiharbeit“

An den Problemen des Pflegesektors, die sich in der Leiharbeit widerspiegeln, zeigt sich auch, wie nötig eine Reform in der Pflegebranche wäre. Wie bereits weiter oben erwähnt, erhalten Leiharbeitskräfte häufig mehr Lohn, was für viele ein guter Grund für den Wechsel in die Leiharbeit ist. Einen noch höheren Stellenwert haben jedoch die Arbeitsbedingungen, welche sich für Leiharbeitnehmer ebenfalls besser gestalten. Dazu gehört beispielsweise, dass Leiharbeitnehmer ihre Schichten frei wählen können und sich die Festangestellten dementsprechend daran orientieren müssen. Darüber hinaus hat dieses Arbeitsverhältnis aber auch noch psychologische Auswirkungen, die sich vor allem im Bereich der Altenpflege zeigen: Da Leiharbeitnehmer häufiger den Arbeitsort wechseln, können sie sich von ihrer emotional belastenden Arbeit meistens besser distanzieren als festangestellte Mitarbeiter.

Zusammenhalt im Team leidet

Gerade in der Pflege, wo es nun mal um die „Arbeit am Menschen“ geht, ist ein gut eingespieltes Team häufig der Schlüssel zu qualitativer Arbeit, von der natürlich in erster Linie die Patienten und Bewohner der Einrichtungen profitieren. Zwar ist es für die Leiharbeitskräfte angenehm, weniger psychologische Belastungen mit nach Hause zu nehmen – für die Kollegen im Team und auch die Bewohner stellt dies jedoch einen Nachteil dar. Festangestellte Mitarbeiter kennen die Bewohner in- und auswendig und wissen, wie sie mit ihnen umgehen müssen. Sie kennen alle Besonderheiten und können dementsprechend auf die Bedürfnisse der Menschen besser eingehen. Bei Leiharbeitskräften ist diese Voraussetzung nicht gegeben.

Weiterhin sorgt die Tatsache, dass Leiharbeiter die Schichten oft frei wählen können und dass diese anders als die Festangestellten bei Personalengpässen nicht zur Arbeit gerufen werden für schlechte Stimmung. Doch nicht nur in Pflegeeinrichtungen, sondern auch in der Intensivmedizin werden immer häufiger Leiharbeitskräfte eingesetzt, womit auch die Anzahl der Kündigungen von festangestellten Pflegekräften steigt.

Viele Fachkräfte kommen derzeit an ihre Belastungsgrenze, da sie ihre Kollegen und die Patienten nicht hängen lassen möchten. Denn gerade die sind am Ende diejenigen, die unter der Situation am meisten leiden. Wenn der Zusammenhalt im Team nicht gegeben ist, bekommen das nun mal auch die Patienten und Bewohner mit. Doch gerade die Pflege ist eine Branche, in der es eben nicht nur darum geht, das vereinbarte Arbeitspensum abzuleisten. Stattdessen geht es hierbei um die bestmögliche Versorgung von Menschen, weshalb eine richtige Reform in dieser Branche dringend nötig wäre.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Leiharbeit in der Pflege vor allem aus zwei Gründen boomt: Zunächst einmal sind die Arbeitsbedingungen und die Gehälter in der Leiharbeit besser als in der Festanstellung, weshalb viele Fachkräfte in die Zeitarbeit wechseln möchten. Ferner bleibt den Einrichtungen aufgrund der großen Personalnot nichts anderes übrig, als den Fachkräftemangel durch Zeitarbeiter auszugleichen. Somit ist der Wechsel in den meisten Fällen problemlos möglich. Leider wird auf diese Weise mit der Not in der Pflege in gewisser Hinsicht „ein Geschäft“ gemacht.

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