Coronapandemie lässt Arbeitsunfälle auf historischen Tiefstand sinken

Die Corona-Pandemie hat den Arbeitsmarkt nachhaltig verändert. Homeoffice Regelungen, Zutrittsbeschränkungen, Kurzarbeit und die vorübergehende Schließung ganzer Branchen haben zu einer Verschiebung geführt, die wir auch zwei Jahre nach Beginn der Pandemie noch spüren. Bemerkbar macht sich dies auch im Rückgang der Arbeitsunfälle, die 2020 den niedrigsten Stand seit Bestehen der Bundesrepublik erreicht haben.

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Kurzarbeit – welche Branchen hat es am schwersten getroffen?

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Die Bundesrepublik hat seit Beginn der Corona-Pandemie verschiedene Förderprogramme aus dem Boden gestemmt, um die Wirtschaft zu stützen und vor allzu schweren Folgen zu bewahren. Mit Überbrückungshilfen sollte die Deckung der Fixkosten für stark betroffene Firmen und Selbstständige gesichert werden. Auch die Kurzarbeit wurde – ähnlich wie während der Wirtschaftskrise 2008 – wieder ausgeweitet. Laut einer Umfrage des ifo Instituts München hatten circa 50 % aller Betriebe Mitte 2020 Kurzarbeit angemeldet. Bis auf wenige Ausnahmen wie Energieversorger und Medikamentenhersteller waren fast alle Branchen betroffen. Einige Bereiche traf es besonders hart. Durch Lockdown und vorübergehende Schließungen hatten 99 % der Gastronomiebetriebe und 98 % aller Betriebe im Hotelgewerbe Kurzarbeit angemeldet. Das fertigende Gewerbe tummelt sich ebenfalls auf den obersten Rängen mit Prozentzahlen zwischen 90 – 96 %.

Daraus resultierend ergibt sich auch die hohe Kurzarbeiterquote in der Zeitarbeit. Obwohl sich seit einigen Jahren ein Wandel vollzieht, stellen Mitarbeiter im fertigenden Gewerbe immer noch den größten Anteil der Zeitarbeitnehmer dar, allen voran Metall-, Elektro- und Automobilbranche – genau die Bereiche, die sehr stark von der Pandemie betroffen sind. Demnach mussten 2020 knapp 83 % aller Zeitarbeitsfirmen Kurzarbeit anmelden. Ein Umstand, den die Regierung erst Mitte März 2020 durch eine Hinzufügung zum Arbeitnehmerüberlassungsgesetz möglich machte. Die Bundesregierung hatte demnach beschlossen, dass auch Leiharbeiter in Krisenzeiten Unterstützung brauchen und Personaldienstleistern einen befristeten Zugang zur Kurzarbeit ermöglicht.

Die Bundesregierung hat hier jedoch vorgesorgt und den Personaldienstleistern einen vorübergehenden Anspruch auf Kurzarbeit eingeräumt. Dieser ist bislang jedoch nur bis zum 31. März 2022 gültig. Erfreulicherweise steht die Überprüfung dieser Regelung jedoch nun auch im Koalitionsvertrag, sodass hier auf eine noch bessere Vereinbarung gehofft werden kann

Zeitarbeit und die neue Ampel-Regierung

Arbeitsunfälle – so wenige wie noch nie

Eine zunächst vielleicht überraschende, aber dennoch logische Folge dieser Entwicklung, ist der drastische Rückgang an Arbeitsunfällen. Die Bundesregierung hat Anfang Januar 2022 den Bericht zur Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit für 2020 veröffentlicht. Dieser Bericht informiert über Unfälle und Berufskrankheiten in der Arbeitswelt. Daraus geht hervor, dass die Zahl der meldepflichtigen Arbeitsunfälle im Vergleich zum Vorjahr um 12,3 % auf 822.588 Fälle gesunken ist. Bei den Vollzeitbeschäftigten, die mit der Rechengröße „Vollarbeiter“ bezeichnet werden, gab es sogar einen historischen Rekord. Mit einer um 19,4 % gesunkenen Unfallquote wurde hier ein Tiefstand erreicht, den es seit der Gründung der Bundesrepublik noch nie gegeben hatte.

Die Gründe für diese Entwicklung liegen ganz klar an den Arbeitsumständen während der Pandemie. Viele Arbeitnehmer haben aus dem Homeoffice gearbeitet. Da auch Unfälle auf dem Weg zur Arbeit als Arbeitsunfälle zählen, erklärt dies einen Teil des Rückgangs. Ein weiterer großer Faktor ist der pandemiebedingte Rückgang des Arbeitsvolumens, also Schließungen während des Lockdowns und Betriebe in Kurzarbeit. Ein Anstieg wurde allerdings bei den Verdachtsfällen auf Berufskrankheit verzeichnet. Dies ist ebenfalls auf Covid-19 zurückzuführen. Da eine Corona-Erkrankung in bestimmten Fällen als Berufskrankheit gilt, wurde hier ein Anstieg um knapp 33 % im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

Ausblick – neue Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt

In den letzten zwei Jahren haben wir also viele Veränderungen erlebt, die vor keinem Lebensbereich haltgemacht haben. Ganz besonders nicht vor der Arbeitswelt. Viele Unternehmen und Arbeitnehmer haben schwere Zeiten hinter sich oder befinden sich immer noch mittendrin. Allerdings hat die Krise auch zu einem Wandel auf dem Arbeitsmarkt geführt, der uns in Zukunft Vorteile bringen kann. Flexibilität ist mit Sicherheit ein Schlagwort, dass wir in den letzten 24 Monaten gelernt haben. Durch die Entwicklung neuer Plattformen und digitaler Netzwerke, auf die man von überall zugreifen kann, wird auch der Arbeitsplatz flexibler und eröffnet neue Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

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