Zeitarbeit und die neue Ampel-Regierung

Schon seit einiger Zeit ist die Zeitarbeitsbranche auf einem guten Weg und genießt mittlerweile immer mehr Ansehen in der Gesellschaft. Die Ampel-Parteien SPD, Grüne und FDP unterzeichneten am 07. Dezember 2021 den Koalitionsvertrag für die neue Bundesregierung und sogar dort wurde Zeitarbeit nun endlich als eine nicht mehr wegzudenkende Säule unserer Wirtschaft erkannt und erläutert. Was die Branche in den nächsten Monaten und Jahren ganz konkret erwartet, erfahren Sie in diesem Artikel.

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Zeitarbeit: Frühindikator, Flexibilitätsinstrument und ein wichtiger Stabilisator

Nicht nur vonseiten der Bundesregierung, sondern auch vonseiten der Personaldienstleistungsbranche in Deutschland gibt es zahlreiche Äußerungen zu den neuesten Entwicklungen. Unter anderem veröffentlichte ein Marktforschungsunternehmen kurz nach dem Beschluss des neuen Koalitionsvertrages die Ergebnisse einer Umfrage, bei der es sowohl um den Vertrag, als auch um die allgemeine Stimmung in der Branche ging. Aus den verschiedenen Äußerungen geht hervor, dass die Zeitarbeit als flexibles Instrument zur Deckung von Personalbedarf in zahlreichen Branchen immer relevanter wird und eine deutliche Steigerung der Wertschätzung zu verzeichnen ist. In Krisen dient Unternehmen die Möglichkeit, Zeitarbeitskräfte in Anspruch zu nehmen, als wichtiger Stabilisator. 

Doch auch unabhängig von Krisen hilft sie Unternehmen, hohe Auftragslagen zu bewältigen. Branchenübergreifend ist es so, dass nicht zu jeder Zeit der gleiche Personalbedarf herrscht, was gerade Unternehmen, die finanziell weniger gut aufgestellt sind, in schwierige Situationen versetzt. Die Einstellung von Personal geht dabei mit zahlreichen Verpflichtungen einher, weshalb dies für viele Unternehmen mit einem großen Risiko verbunden ist. Das gilt in Krisen natürlich noch viel mehr, als zu anderen Zeiten.

Zeitarbeitskräfte bringen den Unternehmenserfolg voran

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Um dennoch neue Aufträge annehmen zu können, ist es den Unternehmen möglich, auf Zeitarbeitskräfte zurückzugreifen, was den Unternehmenserfolg voranbringt und manche Firmen z. T. sogar sicher aus der Krise führt. Vor allem in der Logistik, in der Industrie und in der Pflege hilft Zeitarbeit dabei, den plötzlich auftretenden Personalbedarf ausreichend zu decken. Damit stellen Krisen zwar immer noch eine Herausforderung dar, jedoch können die Auswirkungen durch Zeitarbeit in vielen Fällen spürbar abgemildert werden.

Vertreter der Branche begrüßen es deshalb, dass es im neuen Koalitionsvertrag eine Vereinbarung gibt, die bestätigt, dass Arbeitnehmerüberlassung und Werkverträge wirtschaftlich notwendige Instrumente sind. Möglichen systematischen oder auch strukturellen Verstößen gegen Arbeitsrechte und den Schutz von Arbeitnehmern wird dabei durch erweiterte und effektivere Rechte entgegengewirkt. Damit wird also auch die Sicherheit in der Zeitarbeitsbranche erhöht, womit die Branche eine durch und durch positive Entwicklung verzeichnen kann.

Branche erwartet keine negativen Auswirkungen

Etwas mehr als die Hälfte der in der Studie befragten Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen gaben an, dass sie keine negativen Auswirkungen erwarten. Dabei bestätigten 56 %, dass das Geschäftsmodell von dem neuen Koalitionsvertrag nicht beeinflusst wird. In der Vergangenheit sah dies dagegen etwas anders aus: Hier hat die Regierung die Zeitarbeitsbranche immer wieder mit spezifischen Gesetzen und Verboten konfrontiert und eingeschränkt. Besonders das Bauhauptgewerbe und die Fleischindustrie waren davon stark betroffen und mussten sich dementsprechend immer wieder anpassen.

Somit musste zu dieser Zeit eher von einer fortschreitenden, negativen Entwicklung gesprochen werden, die nun ein Ende zu haben scheint. Von diesem Standpunkt aus betrachtet handelt es sich bei den Ergebnissen der Studie wahrlich um einen echten Erfolg.

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Ein Viertel der Teilnehmer gab sogar an, dass ihr Geschäftsmodell durch die im Koalitionsvertrag beschriebenen Vorhaben sogar bestärkt werde. Dabei beziehen sie sich auf den Teil im Vertrag, der bestätigt, dass beim Arbeitnehmerüberlassungsgesetz im Falle einer europäischen Rechtsprechung stets geprüft werde, ob und welche Änderungen unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Gesetzesevaluierung vorzunehmen sind. Des Weiteren soll der Schutz von beschäftigten Zeitarbeitskräften bei grenzüberschreitenden Arbeitnehmerüberlassungen verbessert werden. 

69 % der befragten Unternehmen rechnen damit, dass sich die Branche spätestens bis zum Jahr 2022 erholt hat. Im Durchschnitt erwarten die Unternehmen ein Wachstum von 11,6 %. Für das Jahr 2022 sind die Erwartungen sogar noch höher: Hier rechnen Zeitarbeitsunternehmen sogar mit einem Anstieg von 18,6 %.

Trendumkehr: Zeitarbeitsunternehmen mit Zuwachs

Bessere Aufklärung für Arbeitnehmer

Zudem sieht der Koalitionsvertrag vor, bürokratische Hürden abzubauen. Nicht zuletzt wird bei Saisonbeschäftigten ab dem ersten Tag der volle Krankenversicherungsschutz gewährleistet. Die Regierung hat es sich damit zur Aufgabe gemacht „faire Mobilität“ zu stärken und dafür zu sorgen, dass Arbeitnehmer besser über ihre Rechte aufgeklärt werden.

Mehr Sicherheit für Beschäftigte in der Branche

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Ferner wird angekündigt, dass mögliche weitere Änderungen der Rahmenbedingungen ausschließlich auf Grundlage der gesetzlich vorgeschriebenen Evaluierung der Reform des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes umgesetzt werden können. Auch dies stellt für die Zeitarbeitsbranche eine positive Entwicklung dar.

Zudem gibt es in dieser Reform erste Überlegungen zu der umstrittenen Höchstüberlassungsdauer von Leiharbeitskräften. Aktuell beträgt diese 18 Monate, was bedeutet, dass ein Arbeitnehmer maximal 18 Monate bei einem Unternehmen tätig sein kann. Leider wird mit dieser Vereinbarung das Risiko erhöht, dass der Arbeitnehmer nach seinem Einsatz in die Arbeitslosigkeit gerät. Die Europäische Union will dem ebenfalls entgegenwirken, da auch die grenzüberschreitende Arbeitsüberlassung gerade in Zeiten der Krise immer relevanter wird.

Nicht zuletzt sollen Arbeitnehmerrechte gestärkt werden, sodass Beschäftigte Leiharbeiter der Branche einen immer höheren Sicherheitsstandard genießen können.

Knackpunkt Kurzarbeit

Nach diesen sehr erfreulichen Einschätzungen sollte es jedoch nicht unerwähnt bleiben, dass es trotzdem einen großen Anteil an Unternehmen gibt, die aufgrund des Koalitionsvertrages eine Gefährdung ihres Geschäftsmodells befürchten. In der Studie gaben 16 % der befragten Zeitarbeits- und Personaldienstleistungsunternehmen an, dass sie glauben, dass der Vertrag möglicherweise nicht die Sichtweise aller Parteien widerspiegelt oder die Pläne möglicherweise nicht ausreichend seien, um alle notwendigen Aspekte sicherzustellen. Ein wichtiger Knackpunkt ist dabei die Kurzarbeit, wodurch die Befürchtungen nicht ganz unberechtigt sind. Im Vertrag heißt es, dass die Krisenregelungen beim Geld für Kurzarbeit nach der Coronakrise evaluiert werden. Der Blick soll dabei insbesondere auf die Menschen mit geringem Einkommen gerichtet werden.

In der Zeitarbeitsbranche ist es aktuell noch so geregelt, dass Beschäftigte keinen Anspruch auf Kurzarbeit haben. Aufgrund der Pandemie wird befürchtet, dass viele Arbeitnehmer dadurch ihren Arbeitsplatz verlieren könnten. Sofern Unternehmen nicht auf Kurzarbeit umstellen können, bleibt ihnen bei geringer Auftragslage nichts anderes übrig, als Personal abzubauen.

Die Bundesregierung hat hier jedoch vorgesorgt und den Personaldienstleistern einen vorübergehenden Anspruch auf Kurzarbeit eingeräumt. Dieser ist bislang jedoch nur bis zum 31. März 2022 gültig. Erfreulicherweise steht die Überprüfung dieser Regelung jedoch nun auch im Koalitionsvertrag, sodass hier auf eine noch bessere Vereinbarung gehofft werden kann. Wünschenswert wäre eine komplette Gleichstellung der Personaldienstleistungsbranche mit anderen Branchen, da somit nicht nur ein einheitlicher Arbeitsmarkt geschaffen, sondern auch die Leistungen der Branche ein höheres Ansehen in unserer Wirtschaft genießen würden.

Erholung nach der Krise

Auch wenn die erfreulichen Entwicklungen scheinbar überwiegen, bleiben dennoch Zweifel. Vertreter der Branche erwarten, dass die Erholung nach der Krise lange dauern wird. Die Zeiten haben sich geändert, weshalb auch die Phase nach der Krise in Zukunft anders aussehen wird als früher. Damals war es beispielsweise so, dass die Zeit nach der Krise der Zeitarbeitsbranche zugutekam und mehr Zeitarbeiter eingestellt wurden. Grund dafür war, dass in den Unternehmen nach einer Krise noch relativ viel Unsicherheit herrschte und der Mut fehlte, gleich nach der Krise neue fest angestellte Mitarbeiter einzustellen. Deswegen wurde früher gerne auf Zeitarbeitskräfte zurückgegriffen. Ob diese Einstellung vonseiten der Unternehmen auch nach der aktuellen Krise vertreten wird, lässt sich jedoch nur schwer einschätzen.

Die Corona-Pandemie hinterlässt andere Spuren und ist und bleibt unvorhersehbar. Aufgrund dessen lassen sich auch die Entwicklungen in der Personaldienstleistungsbranche kaum vorhersehen.

Personaldienstleister und neue Geschäftsfelder

Die Zeitarbeitsbranche versucht dabei so gut wie möglich mitzuhalten und sich den Veränderungen anzupassen. Dies ist ein unumgänglicher Weg, der für jede Branche, die in der Wirtschaft bestehen will, notwendig ist. Deshalb entstehen viele neue Geschäftsfelder. Immer mehr Zeitarbeitsunternehmen setzen auf Diversifikation und bieten zusätzliche Leistungen an. Dazu gehören beispielsweise Weiterbildungen, Personalvermittlung und -qualifizierung, Recruitment-Service oder Managed Service Providing. Somit werden nicht nur Ressourcen, sondern auch Expertise erhöht, sodass die Zeitarbeitsbranche in den kommenden Jahren weiter voranschreitet und die Diversifizierung innerhalb der Branche zunehmen wird.

Fazit

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die Zeitarbeit ein wichtiges Instrument im deutschen Arbeitsmarkt ist. Durch ihre Flexibilität ermöglicht sie Unternehmen, auch in Krisenzeiten den Personalbedarf ausreichend zu decken. Die neue Regierung hat den Wert der Zeitarbeitsbranche erkannt und darüber hinaus in ihrem Koalitionsvertrag erörtert, was eine erfreuliche Entwicklung ist. Darüber hinaus werden neue Geschäftsfelder eröffnet und die Branche entwickelt sich stetig weiter. Wie die Zeit nach der Krise aussehen wird, ist derzeit jedoch mehr Spekulation als eine sichere Prognose. Positiv festzuhalten ist aber in jedem Fall, dass sich in der Branche spürbar etwas tut und wir in Zukunft auf weitere positive Entwicklungen hoffen können.

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